Hormontherapie: häufig gestellte Fragen

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Hormontherapie: häufig gestellte Fragen

Hormontherapie schlecht für das Herz des Mannes

CHICAGO – Eine neue Studie belegt den Zusammenhang zwischen Hormontherapie gegen Prostatakrebs und einem gesteigerten Sterberisiko für ältere Männer mit gravierenden Herzproblemen.

Mit der Hormontherapie wird die Menge an produziertem Testosteron gesenkt, was im Gegenzug dafür sorgt, dass der Tumor schrumpft oder langsamer wächst. Diese Behandlung, die Injektionen in einer Arztpraxis erforderlich machen, kann Männern helfen, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung befinden, wenn sie gemeinsam mit einem chirurgischen Eingriff oder einer Bestrahlung angewandt wird.

Die Nebenwirkungen sind jedoch besorgniserregend: Impotenz, Knochenschwund, Hitzewallungen, Gedächtnisprobleme, Ermüdungserscheinungen und ein gesteigertes Risiko an Diabetes und am Herz zu erkranken.

Für die neue Studie, die in der Mittwochausgabe der Zeitschrift der American Medical Association erschien, haben Forscher mehr als 5.000 Männer mit Prostatakrebs beobachtet, der sich noch nicht ausgeweitet hatte. Die Männer (Altersgruppe: über 60- und 70-Jährige) wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich fünf Jahren beobachtet.

Alle Patienten unterzogen sich einer Brachytherapie, eine Form einer Strahlenbehandlung, an einem Behandlungszentrum in Illinois. 30 % von ihnen machten eine Hormontherapie über einen Zeitraum von durchschnittlich vier Monaten durch.

Bei fünf Prozent (5 %) der Männer in der Studie dokumentierte die Krankengeschichte Herzversagen oder Herzinfarkt und 43 Männer aus dieser Gruppe starben. Unter den Männern mit Herzproblemen war die Hormonbehandlung unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren mit einem um 96 % höheren Mortalitätsrisiko verbunden.

Rein in Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Von den 95 Männern, die sich einer Hormontherapie unterzogen und eine Vorgeschichte mit schwerwiegenden Herzproblemen hatten, starben 25; und von den 161 Männern, die nicht mit Hormonen behandelt wurden und deren Krankengeschichte ebenfalls gravierende Herzprobleme beinhaltete, starben 18.

„Unsere Ergebnisse sollen verstärkt bewusst machen, dass es ein potentielles Verletzungsrisiko bei der Hormontherapie für Männer mit einer Vorerkrankung des Herzens gibt“, sagte der führende Autor der Studie Dr. Akash Nanda des Harvard Radiation Oncology Program in Boston.

Die Studie wurde auf Grund von Beobachtungen durchgeführt. In diesem Fall bedeutete dies, die Männer wählten ihre Behandlung in Absprache mit ihrem Arzt und wurden nicht, wie üblich, willkürlich der einen oder anderen Behandlungsmethode unerzogen. Damit ist dieser Ansatz weniger schlüssig und bedeutet, dass der Tod auch durch andere Faktoren als die Hormontherapie hervorgerufen werden konnte. Die begrenzte Zahl der Todesfälle erfordert weiterführende Untersuchungen.

Jedoch stimmen die Ergebnisse mit vorhergehenden Studien überein, die belegen, dass stärker erkrankte Männer nicht von der Hormontherapie profitieren, wenn diese zusätzlich zur Strahlenbehandlung erfolgt. Und wenn die Hormontherapie ausschließlich bei älteren Männern angewandt wird, erhöht sich damit leicht das Sterberisiko.

„Für diejenigen, die sich auf diesem Gebiet stetig fortbilden, ist dieses Ergebnis keineswegs überraschend“, bemerkt Dr. Stephen Freeland. Er ist Spezialist für Prostatakrebs an der Duke University und war nicht an der Studie beteiligt.

Freeland führt weiter aus, dass zwar einige Patienten von der Hormontherapie profitieren, diese aber gefährlich für die falschen Patienten ist. Die Medikamente können die Insulinresistenz erhöhen und den Cholesterinspiegel anheben. Zusätzlich bewirken sie eine Fettzunahme.

Er vergleicht es mit dem gegenteiligen Effekt von leistungssteigernden Medikamenten, die von einigen Athleten eingenommen wurden: „Man tauscht die Muskulatur aus und ersetzt sie durch Fett“.

Bei einigen Männern wird die hormon-blockierende Behandlungsmethode, die gelegentlich auch als chemische Kastration bezeichnet wird, als ein erster Schritt vor der Brachytherapie angewandt, um die Größe der Prostata zu verkleinern. Die in der Studie angewandten Medikamente waren Leuprorelin oder Goserelin, die in Verbindung mit oral appliziertem Bicalutamid oder Flutamid in Form von Spritzen verabreicht wurden.

Die Behandlung beläuft sich auf ca. 1.400 USD monatlich.

Die Studie wurde vom Brigham and Women’s Hospital und dem Dana-Farber Cancer Institute in Bosten finanziert.

Carla K. Johnson
Associated Press
25.08.2009

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